Freitag, Dezember 23, 2005

Das Jahr neigt sein müdes Haupt

Werter Pocc, werte Leser,
das Jahresende naht und die Diva muss reisen. Da sie sicherlich keine Möglichkeit finden wird, sich auf die Datenautobahn zu schleusen, wird sie zwar weiter schreiben, aber doch nicht veröffentlichen, muss also folglich die ungeduldigen Herzen bitten, auf das neue Jahr zu warten.

Aber ein kleines Geschenk möchte ich doch noch schnüren. Für alle geneigten Fans unseres Helden Pocchini – denn um seine Menschwerdung geht es ja – möchte ich gerne Bilanz ziehen. Vielleicht wird Pocc, das historische Gewissen, Antipode und doch fruchtbare Ergänzung, der die Schatzkiste voller interessanter Trouvaillen aus allen Epochen öffnet, auch Bilanz ziehen? Wir werden sehen.

Im Anfang die Geburt. Unser Held darf leben. Das ist die gute Nachricht. Aber er wird direkt aus dem mütterlichen Leibe in die Arme der Einsamkeit und Finsternis geworfen. Im Wald ausgesetzt gerät die Frucht aus grober Gewalt gewachsen in die Hände eines ehrenwerten Räubers, der die Geschicke seiner frühesten Jahre leiten wird. Eine glückliche Fügung für das kleine Wesen, welches mehr einem Monstrum als einem Menschenkind ähnelt.
Eine erste Begegnung mit Friedrich August, dem zukünftigen Kurfürsten von Sachsen, steht kurz bevor. Die Heimat des jungen Pocker ist feindlich mit der Brutstätte der Kurfürsten verbunden. Seid versichert, dass die Entwicklung dieser beiden ungestümen Charaktere sehr intim miteinander verwoben bleiben wird. Ob sie Freund oder Feind werden? Das sei noch nicht verraten an dieser Stelle.
Allerdings ahnen wir schon jetzt, dass durch das Wirken der Mütter, die sich aus der brutalen Hand der männlichen Despoten in die warme Mulde des Glaubens flüchten, auch Bänder der Herzen zwischen den Orten gesponnen werden. Bahnt sich doch in diesem Moment das Zusammentreffen der Kurfürstin Anna Sophia und der armen Nonne an.
Wie der werte Pocc bereits niedergeschrieben hat, wird die Entwicklung unserer beiden Helden durch Vaterlosigkeit bestimmt. Heinrich hat keinen Vater. Noch schlimmer. Sein biologischer Vater, ein Tuchmacher aus Seidenberg, hat seiner Mutter Gewalt angetan. Der Tod greift allerdings nicht nach der Waise, sondern das Schicksal legt ihn in die Hände des Mannes, der sich aus der Zivilisation zurückgezogen hat, weil er auf grausame Art und Weise verloren hat, was er liebte.
Friedrich hat einen Vater. Der verachtet seinen verweichlichten Sohn, behandelt ihn wie einen Hund. Er zieht seinen älteren Sohn Johann Georg vor, der für seinen Bruder nur Verachtung kennt, immer auf seinen Vorteil bedacht. Wird Friedrich sich der liebenden und schützenden Hand der Mutter endgültig entziehen, um Anerkennung in der Welt seiner männlichen Vorbilder zu erreichen?

Die Helden sind mir bereits ans Herz gewachsen und ich lasse sie ungern alleine in diesem Jahr zurück. 2006 wird sich ihr Weg dem geneigten Leser weiter entfalten. Die Diva wünscht einen Ausklang in DUR.

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